[Schenkt euch Liebe]: Ich sehe Menschen, aber keine Menschlichkeit

"Als ich letztens nach Hause gefahren bin, bleib die Bahn stehen. Die Menschen wurden wütend und klopften gegen die Scheiben. Es stellte sich schnell heraus, dass eine Person unter den Zug gekommen ist – es war wohl ein Unfall. Sie regten sich auf und fragten lauthals, wann es endlich weitergehen würde. Ich fing an zu weinen, nicht wegen der Person, die unter unserem Zug lag, sondern weil die Menschen alle kein Mitgefühl hatten."
- Beitrag einer jungen Frau im Internet

"Als ich letztens Radio hörte berichteten sie, dass ein junger Mann an einer U-Bahn Haltestelle verprügelt wurde. Es standen gut 50 Leute auf dem Bahnsteig. Es hat ihm niemand geholfen. Er musste verletzt zur nächsten Polizeistation fahren."

"Ich sehe Menschen, aber keine Menschlichkeit."

-Königin Rania von Jordanien


Mein Blog handelt um Beauty, um die schönen Dinge des Lebens. Das Leben ist aber nicht immer schön. Ich möchte über etwas schreiben, was mich bewegt. Ich bin 23 Jahre alt und  habe bereits wie bestimmt einige von euch Situationen erlebt, in der Menschen einen anpöbeln oder sich nicht korrekt verhalten. So eine Situation kann schnell entstehen. Man hofft dann aber, dass man nicht alleine in der Situation bleibt. Das andere Menschen sich ein Herz für einen fassen, auch wenn man sie nicht persönlich kennt. Oft bleibt diese Reaktion aus - in den Medien tauchen immer öfter Beispiele auf, in denen Menschen anderen ihre Zivilcourage verweigern. 

Ich beobachte seit Jahren, wie egoistisch und abgestumpft die Menschheit geworden ist. Was zählt ist: ICH, ICH, ICH. Da werden Menschen aus dem Bus geschmissen, damit sie die Weiterfahrt nicht behindern und Menschen, die Hilfe brauchen werden ignoriert. Ich nutze auch gern soziale Medien und ja, mein Smartphone ist auch zu meinem Alltagsbegleiter geworden. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass unsere digitale Welt uns abstumpft. Nichts grausames, was wir schon nicht gesehen haben. Ja, schreckliche Dinge passieren – aber mir doch nicht. Das ist wohl die Einstellung einiger. Und wenn etwas schlimmes vor meinen Augen geschieht, dann schaue ich doch lieber auf mein Smartphone. Die Menschen schauen sich oftmals nicht mehr in die Augen. Es wird sofort auf sein Smartphone gestarrt und das Umfeld ausgeblendet.

Oft reagiere ich emotional, wenn ich etwas trauriges sehe. Auch wenn ich Menschen nicht persönlich kenne, kann sich mein Herz nicht davor verschließen, wenn ich beispielsweise verletzte Kinder in Syrien auf dem Bildschirm sehe. Nein, ich zucke nicht mit den Schultern. Es geht uns alle etwas an.

Es ist Weihnachtszeit, die Zeit an der wir mehr als sonst alle näher zusammenrücken sollten und uns nicht gegenseitig hassen sollten. 2016 hat uns deutlich gezeigt, wie schnell ein Leben vorbei sein kann. Mir kommen jetzt noch die Tränen, wenn ich an die Menschen in Paris, Brüssel, Nizza oder München denke. Allgemein an alle schrecklichen Geschehnisse, die auf der Welt passiert sind. In meinem Leben habe ich noch nie so viel Hass gespürt wie 2016. Menschen bekämpfen andere Menschen. Vorurteile entstehen - Menschen werden stigmatisiert. Eine Politik, die auch nicht die Sorgen der Menschen versteht. Es sind andere Zeiten, in der wir leben. Dinge haben sich verändert. Diese Bilder gehen an mir nicht vorbei und ich hoffe, dass die Menschheit sie auch nicht vergisst.

Es ist toll ein schönes Auto zu besitzen oder eine tolle Marken-Uhr, die man sich gewünscht hat. Klar, keine Frage. Aber was sind wir für Menschen, wenn wir keine Menschlichkeit mehr haben? Man sollte sein Leben genießen und sich auch mal was gönnen, aber der Konsum ist nicht alles. Wie oft erlebe ich Menschen, die alles haben und trotzdem unglücklich sind? Man sollte sich immer vorhalten, dass allein die Tatsache, dass wir ein Dach über den Kopf haben und genug zu essen haben uns von über ein Drittel der Weltbevölkerung abgrenzt. Uns geht es manchmal zu gut. Lieber denkt man drei Mal darüber nach, was man hat und nicht, was man nicht hat.

"Schenkt euch Liebe" – man muss nicht alles gut finden und 24h mit einem Lächeln durch die Welt laufen. Es wäre nur schön, wenn wir auch mal an andere denken, denen es nicht so gut geht. Mal Mitgefühl zu zeigen, auch wenn man nicht selbst betroffen ist. Auch mal zu helfen, wenn man gebraucht wird. Anderen zu verzeihen, auch wenn es vielleicht nicht immer einfach ist. Wie steht ihr zu dem Thema?

Es ist Weihnachten, wenn wir hier nicht näher zusammenrücken – wann dann?





Kommentare

  1. Sehr toller Artikel. Beim ersten Beitrag denke ich aber weiter... warum wurden die Passagiere hektisch statt traurig? Hast du dich vielleicht in deren Lage gesetzt? Vielleicht werden sie soo extrem unter Druck gesetzt, dass sie selber so im Leid sind, dass sie gar kein Mitgefühl für diesen Unfall hatten. Vielleicht war einer davon ein Familienvater, det vielleicht auch noch ein krankes Kind zuhause hat und die Mutter nicht berufstätig sein kann, weil sie es pflegen muss. Vielleicht hat der Chef dem Mann mit der Kündigung gedroht, sollte er zu spät kommen...
    Ich selbst habe auch mal soo viel arbeiten MÜSSEN, dass mein ganzes Leben an mir vorbeizog. So einen gekündigten Familienvater habe ich dort persönlich kennengelernt...

    Oder vielleicht war das ein Teenager-Mädchen, dass dringend zu ihrem Freund wollte, der ihr droht Schluss zu machen, um sich auszusprechen. Sie kam vielleicht zu spät, er nutzte das als zusätzlichen Grund um sie zu verlassen und am nächsten Tag war sie die, die sich vor den Zug geworfen hat aus lauter Verzweiflung. Auch einen solchen Fall habe ich miterlebt und auch darüber gebloggt.

    Wir haben materiell alles, aber stehen extrem unter Druck. Darum bete ich auch für ein Bisschen mehr Menschlichkeit. ❤️

    Frohe Weihnachten ❤️

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    1. http://vvvvvvvvvv1992.blogspot.ch/2013/03/rip-naemy.html?m=1

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    2. Hallo Vanessa,
      sicher, stehen wir heute unter großem Druck. Dennoch dürfen wir die Augen nicht davor verschließen, dass heutzutage "Dinge" statt Menschen geliebt werden und der Egoismus immer größer wird. Natürlich gibt es immer Gründe, warum man sich aufregen kann, wenn der Zug nicht fährt. Und es ist auch natürlich, dass manche Menschen pünktlich ankommen müssen, da ihnen sonst etwas widerfährt oder sie irgendwas verpassen. Dennoch hört für mich der Spaß auf, wenn es darum geht, dass ein anderer Mensch zu Schaden gekommen ist.

      Ich hoffe, du verstehst das auch!

      LG, Anne

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  2. Wunderschön geschrieben! Ich kann mich wirklich mit jedem einzelnen Punkt identifizieren.

    Ich versuche das Ganze im Alltag in Form eines Ehrenamtes zu leben und engagiere mich auch in Vereinen. Manchmal möchte ich den ein oder anderen auf der Straße einfach nur an den Schultern packen und schütteln, weil sie ihre Ignoranz gar nicht mitbekommen. Ja, jeder ist gestresst, aber ab einem gewissen Punkt kann ich solches Verhalten überhaupt nicht nachvollziehen. Was mich so traurig macht, ist man an diese Leute gar nicht mehr herankommt und sich alles scheinbar nur noch steigert. Dieser ganze Hass ist unglaublich und ja: unmenschlich. Wenn jeder ein Stück bei sich anfängt, wäre schon viel getan.

    Liebe Grüße
    Katharina
    von Großstadtgedanken

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    1. Vielen lieben Dank, Katharina! Das bedeutet mir viel!

      Ich stimme dir da auch zu. Ich bin auch der Meinung, dass der Druck/der Stress heutzutage größer ist, der auf den Menschen lastet. Jedoch hört für mich so ein Verhalten auch ab einem gewissen Punkt auf. Es ist keine Rechtfertigung sich so ignorant zu verhalten.

      Das hast du Recht! Leider können manche Menschen sich nicht selbst reflektieren oder schätzen sich anders sein als sie wirklich handeln. So etwas wird es halt immer wieder geben! Ich finde es toll, dass du dich ehrenamtlich engagierst.

      LG, Anne <3

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  3. Liebe Anne, sehr sehr tolle Worte, die du da gewählt hast. Ehrlich gesagt habe ich da auch rein gar nichts mehr hinzuzufügen, weil du echt alles gesagt hast! Ich stimme da vollkommen mit dir überein! Liebe Grüße, Mona <3

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    1. Das ist sehr schön und freut mich!
      LG, Anne <3

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  4. Sehr schöner Post, ich bin da mit dir einer Meinung. Ich verstehe die Leute auch nicht, die nicht eingreifen, wenn jemand Hilfe benötigt. Allerdings ist das sehr relativ, wenn z.B. jemand von 5 jungen Männern in einer verlassenen Strasse verprügelt wird, würde ich nicht eingreifen, aber zumindest die Polizei rufen. Wie man am besten hilft, ohne dabei selber in Gefahr zu geraten, muss man halt irgendwie abschätzen können.

    Alles Liebe,
    Lisa von #BeYourself | Instagram

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    1. Vielen lieben Dank Lisa!
      Ich bin da auch deiner Meinung.

      Alles Liebe auch für dich!

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